Martin Braun

Aufgewachsen bin ich in der Normalität, dass wir Menschen gehalten sind von einer größeren, liebenden Macht und Teil von etwas unendlich viel Weiteren, als menschliches Bewußtsein erfassen kann.
Im streng protestantischen Weltbild meiner Eltern – mein Vater war Pfarrer – war diese höhere Macht der Gott der Christen.
Auch durch zu viel Kontakt mit der herzlosen und doppelgesichtigen Seite des Kirchentums habe ich den Bezug zu diesem Gottesbild in meiner Jugend hinter mir gelassen.

Heute erlebe ich mich als Kind von Mutter Erde. In mir wirkt die tiefe Gewißheit, daß wir unlösbar verbunden und geborgen sind mit und in allem Lebendigen, mit der Schöpferkraft und dem Schöpfergeist. So wurde mir alles Leben mit und ohne Leib Spiegel und Gegenüber in der Kommunikation.

Ein unermüdliches Interesse zu ergründen ‘Wie ist der Mensch – und warum?’ hält mich im steten ‘Studium der Menschen und des Menschseins’ seit ich bewußt denken kann.
In der Pubertät kam die spezifische Frage dazu ‚Wann ist denn Mann ein Mann?‘ Der stete Druck, der in der dahinterliegenden Annahme liegt, wir müßten unser MannSein unter Beweis stellen, wird mir immer offensichtlicher in seinen verheerenden Auswirkungen auf das Selbsterleben von uns Männern.
Heute scheint es mir, dass der Fokus in der Debatte um Männlichkeit auf den Schatten liegt. Da haben wir zweifellos viel zu erkennen und zu wandeln.
Gleichzeitig frage ich immer vehementer nach dem ‚Heiligen und Heilenden im Männlichen‘, aus dem heraus wir unseren segensreichen Beitrag für die Menschen und die ganze lebendige Welt erschaffen. Der Archetyp des ‚grünen Mannes‘ bietet viele Kräfte dazu an, die in der Kultur des ‚Machet euch die Erde untertan‘ verkümmert sind.

Anfang 20 warf ein erstes (tief befreiendes) Erleben einer Schwitzhütte einen Anker in mein Leben.

Mit Mitte 20 wurde ich Ziehvater von zwei Jungs. Später schenkte mir meine damalige Frau noch zwei wundervolle Töchter, die heute junge Frauen sind.
Seit 2015 darf ich an und mit der besten Frau weiter zu mir wachsen, die das Leben für mich finden konnte. Gracias alla vida!

2002 kamen wir zu den elementar-Kreisen unter der Leitung von Hugo-Bert Eichmüller. Hier durfte ich viel lernen und erfahren in einer Kosmologie und Philosophie, die gleichermaßen in der naturmystischen Weltsicht und dem Schamanismus der Lakota-Indianer wie in der Ethik, Philosophie und naturwissenschaftlichen Denkweise unserer Kultur hier wurzelt.
Inipi (Schwitzhütte) und Visionssuchen, der Kreisspirit, viele Visionstänze, Camps und Teachings… haben mich nachhaltig geprägt. Für das Empfangene bin ich für immer dankbar und trage diesen Spirit weiter.

Seit etwa 2008 nimmt die Männerarbeit immer mehr Raum in meinem Leben ein, eine erste Vortragsreihe wurde mit Freunden organisiert.
Während meiner Ausbildung in Gestalttherapie wurde mir klar, dass es meine Aufgabe ist, mit Männern zu arbeiten.

In dem Feld der persönlichen Menschlichkeitsentwicklung sind weitaus mehr Frauen unterwegs – als Suchende wie als Begleiterinnen.
Ansprechpartner des gleichen Geschlechts mit – unter diesem Blickwinkel – ähnlichen Erfahrungen fehlen uns Männern oft.
Einfach schon, weil ich ein Mann bin, teile ich manches Erleben aller Männer hier, heute, und kann mich damit aus einer anderen Warte hineinfühlen, als es einer Frau möglich ist.
Mir selbst haben oft reifere Männer gefehlt für Fragen, die mich umgetrieben haben. Unsere Vorväter wurden durch die Kriege und den grausigen Imperativ der (vorgeblich männlichen) Härte häufig traumatisiert. Vielen war das Herz verschlossen und das Gespräch über ihre inneren Bewegungen, Fragen, Emotionen und ihren Umgang damit nicht möglich.
Ich sehe es als zentrale Aufgabe von uns nicht mehr jungen Männern, Weisheit zu entwickeln und den Nachfolgenden bei Erfüllung ihrer Lebensaufgaben damit zu dienen.

Um einen neuen Erfarungsraum zu schaffen, folgte die Begründung des ‘Männerkreis ums Feuer’, der seit 2017 einmal monatlich stattfindet.
Ein Raum, in dem wir Männer uns darin üben, uns Männern gegenüber verletzlich zeigen zu können, vom Herzen zu sprechen und mit dem Herzen zu lauschen.

2018 bekam ich mit dem Konzept der ‘Highly Sensitiv Person’ (im Deutschen oft irreführend als ‚Hochsensibilität‘ benannt) einen entscheidenden Schlüssel. Aus dieser Perspektive macht vieles Sinn, was mir vorher nur schwierig bis hinderlich schien in meinem Leben. In meiner Selbstwahrnehmung wurde meine Feinfühligkeit vom Manko zur Begabung.
Seither setze ich mich intensiv mit Hochsensitivität und Hochbegabung und deren Auswirkungen auf das Leben und Erleben speziell von Männern auseinander.

Mit diesem Schwerpunkt arbeite ich als Männercoach 1:1 und in Workshops/Seminaren.